Samstag, Oktober 28, 2017

A note to intercultural friendship


Usually I'm writing my blogposts in German, but this time I need to make a quick change of language. I like to write about this long lasting friendship between six girls. One of them is me, as you might have already guessed.


An Erasmus semester usually produces lots of memories, maybe some more or less long lasting relationships and a bit of knowledge that you slightly remember from the courses you took back then. In my case it created this very special friendship between me and my girlfriends from Italy and France. In 2007 (ten years ago...wow, I'm so f***nig old!) I spent my Erasmus semester abroad in one of the most beautiful European cities: Copenhagen. I lived at Porcelænshaven, a very mixed and fun dorm, where lots of exchange students stayed. The first of my girls that I met was Barbara from Italy (not to forget to mention Salva as well, since he was desperately waiting with her for new students to arrive when the new semester started). She was my roommate (or in this case bath mate) on the 5th floor of Porcelænshaven and we fit together from the first moment...maybe she is even a better German than I am, since she’s very structured and always on time. 
She introduced me to the other four girls, meaning: Kristel, who was always carrying a very big purse with her, which was containing essential things like a spare bike light and other things that could also have been the content of Marry Poppin’s bag. Anne-Laure, who was always “very open” (haha) to the crazy ideas (like getting into Salva’s room and putting everything that was inside (including furniture) on the hallway of the 5th floor and then waiting with me, sitting on his table, wrapped in his bedsheets, for him to come home. Sophie, who was my friend for climbing church towers, exploring Christiania and going on romantic trips to castles (here I also have to mention Artem, who spent the romantic day by Frederiksborg castle with us and was my best male friend at Copenhagen times). And last but not least Alka, who provided us with great Bollywood movies with “the handsome guy” and shocked us with one that really had no happy ending (Whaaaat? - Yes, right…).


Every year, since our Copenhagen experience, we manage to meet somewhere in Europe. We celebrated graduations, weddings and babies together and there will probably be more to come (at least of the last two events). We helped each other through the good and the tough times. Even though during the year, between our meetings, we’re all busy with work, families, vacations and all the other things in our lives, so that we don’t have that much contact. Just some short updates. But when we finally meet again, we’re back in CPH-mode. It’s like being 20-something again, meeting in one of our rooms at Porcelænshaven, having a cup of chamomile and chatting about the last night at Kulørbar or LA Bar or Emma…or whatever club belonged to the certain weekday. 

 

This year we met again in Paris. Since we didn’t have the pressure of doing the whole sightseeing thing anymore (we’ve all been to Paris several times), we spent most of the time talking and talking…with a good glass of French wine or with our traditional chamomile. Going out to a bar at night and spending a beautiful day in Versailles, just walking around and catching up. One thing I love most about spending a little time abroad with some locals is the fact that you easily get in contact with other locals. In Versailles we made a stop at a nice little café with art on the walls that was run by an elderly French lady. Alka played the old piano that was standing next to our table and the lady came to us, had a seat and talked to us about her life, her café, the paintings on the walls and her grandchildren.
 
Saying goodbye to everyone was accompanied by tears when we had to leave Copenhagen in 2007, but saying goodbye in 2017 basically just means “See you all again next year!”. Therefore no tears, but the good feeling to have seen your good “old” friends again and the good feeling that it won’t be the last time. 

I love you, girls!

Freitag, Juli 21, 2017

"Unsere kleine Farm" oder besser gesagt: "Nuestra finca pequeña"

An einem regnerischen Abend vor einem Jahr fassten wir mit Marion und Micha einen spontanen Entschluss. Es ging um den ersten Sommerurlaub, in dem wir an die Ferienzeiten gebunden sein würden. Micha fasste es treffend zusammen: "Ihr seid noch nie in den Ferien in den Urlaub geflogen und habt keine Ahnung wie voll es dann sein wird." Allein der Gedanke an reservierte Liegen ließ uns Erschaudern, Jens triumphierte und rief "Ich wollte schon immer in eine Finca!" und so mündete dieser Abend in der sofortigen Buchung einer Finca in der Nähe des schönen Son Servera auf Mallorca. Vor einem Jahr...so lange im Voraus hatten wir noch nie gebucht. Meist hat es sich nur um wenige Tage vor Abflug gehandelt und dann waren auch zumeist noch nicht alle Reisebausteine komplett gebucht. Nun hatten wir ein Jahr, um uns zu freuen. Und wie schnell es herum ging...


Als wir nun vor ein paar Tagen unserem Gastgeber Pep den Schotterweg zu unserer Finca hinauf folgten, wussten wir noch nicht, was uns erwarten würde. Das automatische Tor öffnete sich und wir hielten den Atem an. So schön war das, auf das der Blick nun frei gegeben war. Und es ist ja wirklich selten, dass die Realität die Fotos der Anbieter übertrifft. Hier war es definitiv der Fall! Die Finca wurde von 2000-2002 gebaut und Pep und seine Frau Victoria haben sich hier mit ihren drei Kindern auf 80HA Land ihren Traum erfüllt. Alles ist unheimlich liebevoll gestaltet, dekoriert und mit Bedacht ausgetüftelt. Man merkte sofort, dass die Familie im Winter tatsächlich selbst in der Finca lebt. 


Wir Vier bezogen unsere Zimmer im Erdgeschoss, Marion und Micha bekamen das Zimmer im ersten Stock mit wunderschöner Terasse inklusive Meerblick. Dafür hatten Jens und ich über unsere Terassentür direkten Zugang zum Pool. Aufwachen, raus an die Luft und direkt in den Pool springen. Herrlich! Übrigens ein Infinitypool mit Blick auf die daneben liegende Plantage mit Schafen. Mandel-, Oliven- und Johannesbrotbäume befanden sich dort auf einem steinigen Acker. Die Schafe kamen abends im Sonnenuntergang den Berg von ihrem Stall hoch zu uns an den Pool. Wir hörten sie schon von Weitem durch das Klingeln der Glöckchen um ihren Hals. Dann saßen wir manchmal schon nur noch zu Viert am Pool, tranken Rioja und hielten die Füße ins kühle Wasser.


Fast jeden Morgen fanden wir Gemüse oder Obst auf der Terasse. Dann wussten wir, dass Pep wieder da war, um den Pool zu reinigen und seine Tiere zu versorgen. Viele Dinge, die wir zum Kochen benötigten, durften wir im eigenen Gemüsegarten ernten. Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Zuchinis, Limetten, Zitronen...und dazu Eier von "unseren" 6 Hühnern. Die Kinder liebten es, jeden Tag mit einem von uns zum Stall zu gehen und mit einem Körbchen in der Hand frische Eier zu holen. Dann kam immer ein Huhn zum Einsatz, das Mia "Zickhuhn" getauft hatte. Zickhuhn machte nämlich immer einen riesen Rabatz, wenn man sein Unwesen im Stall trieb und ihre Eier klauen wollte, wärend die anderen Hühner sich mit Essensresten ablenken ließen, die wir über den Zaun warfen. Mads hingegen schüttelte auf dem Weg dorthin alle paar Schritte seine kleinen Sandalen-Füßchen: "Das piekst!", "Piekst schon wieder!", "Aua, piekst! Hüüühhner!!! Wo seid ihr? Faule Hühner, keine Eier gelegt!"...zum Schießen!


Neben unseren Hühnern und unserer Gartenschildkröte Clyde (Pep hatte sie uns am Tag unserer Ankunft im Unterholz gezeigt) gab es auf dem Grundstütz auch noch eine streundende Katze, die Mia "Konfetti" getauft hatte. Mads hatte etwas gebraucht, um den Namen "Konfetti" richtig aussprechen zu können. Die Katze wirkte etwas getroffen, nachdem sie einen ganzen Tag immer nur "Fetti" genannt wurde.



Man hätte die Finca gar nicht verlassen müssen, sondern hätte den ganzen Tag dort verbingen können. Wir lagen faul in der Sonne, planschten im Pool, machten Siesta. Bis es Zeit war zu kochen und wir frische Garnelen in die Pfanne und Steaks auf den Gasgrill warfen und sich alle mit dem typischen "mhmm" auf die Köstlichkeiten stürzten. Wenn etwas übrig war, bekamen es die Hühner und Konfetti. 


Wir machten Ausflüge an verschiedene Strände, auch wenn es dort in den Ferien wirklich voll war und wir merkten, dass man uns nach dem Leben auf unserer einsamen Finca sicherlich erstmal wieder resozialisieren musste. Es Trenc war toll! Das Wasser war klar und der Sand weiß. Beim Schnorcheln begegnete man ein paar Fischen zwischen Felsen im Meer. In Sa Coma war das Wasser hingegeben wellig und aufgewühlt und zu unserer Zeit sehr voll angespültem Seegras. In Cala Agulla waren die Wellen überkopf-hoch und wir wurden hier und da mal durch den Vollwaschgang gedreht. Die Kinder wurden mit Sandburgen bauen abgelenkt und jeder von uns durfte sich bei roter Flagge mal ordentlich durchspülen lassen. In Cala Millor war es an unserem letzten Tag überraschenderweise gar nicht so voll und das Meer klar. 


Eine tolle kleine Naturbucht (kein Sand, sondern große Steine) fanden wir in der Mitte unserer Zeit am Cap de Formentor. Etwas Sportlichkeit war gefragt, da es keinen richtigen Weg gab, sondern nur einen sehr steilen Trampelpfad durch die felsige Landschaft. Unten angekommen sprang Jens von den Klippen direkt ins türkise Meer, wir zogen mit den Kindern den sanften Weg in das flach abfallende Wasser vor. Nicht nur Menschen fanden die Bucht toll, sondern auch  ein großer Ziegenbock, der immer wieder hin und her flanierte. Das Meer für uns alleine hatten wir spätestens dann, als Jens erst am rechten, dann am linken Arm von einer Feuerqualle gestochen wurde. Trotzdem ein bezaubernder Ort!


Das Cap de Formentor ist sowieso immer wieder schön. Wobei man sagen muss, dass der Leuchtturm am Ende nicht unbedingt das Highlight der Fahrt ist. Aber der Weg ist hier das Ziel und so ging es uns auch diesmal wieder. Der Blick ist die ganze Zeit toll und man weiß oft nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Und auf der Fahrt dorthin standen auf einmal auch Tobi und Lissa am Straßenrand und machten gerade Pause. Mallorca ist eben auch nur ein Dorf!

Kulturell blieb es diesen Urlaub etwas auf der Strecke. Aber auf dem Rückweg von Cala Agulla entdeckte Mia das Castell de Capdepera auf einem Berg und wir beschlossen spontan dort anzuhalten. Wieder ein steiler Weg, aber diesmal nach oben und befestigt. Für 3€ Eintritt konnte man sich im und um das Castell umsehen, auf die Burgmauern klettern, in das Museum gehen und sogar die Glocken läuten, wovon Mads natürlich nicht genug bekommen konnte. Für Mia war es ein Abenteuer alles zu erkunden und ich zündete in der Kapelle eine Kerze für Ida an. 



Son Servera gefiel uns auch gut. Ein kleines, verträumte Städtchen. Auf den ersten Blick nicht zu touristisch. Wir gingen dort im "La Bruschetta" essen, das Pep uns am ersten Tag empfohlen hatte. Ohne ihn hätten wir es sicherlich gar nicht gefunden. Als wir in die Seitenstraße bogen und von Weitem das Schild "La Bruschetta" erkennen konnten, sah man nichts als eine karge Mauer zwischen den Häusern. Doch hinter dieser Mauer war ein kleiner Innenhof, der unheimlich idyllisch war. Die Pizza und unser Nachtisch schmeckten auch fantastisch. Mia lernte zwei Mädchen kennen und streifte mit den beiden im Innenhof umher. Wir tranken Wein und Bier und genossen das Flair. 

 

Der Urlaub ging nach viel zu kurzen 10 Tagen zu Ende und wir ließen im "Restaurant Binicanella" alles noch einmal Revue passieren. Mia war mit einer Horde Kinder los gezogen und spielte irgendwo auf dem Gelände des alten Klosters und wir aßen Spanferkel, dessen Fleisch vom Knochen abfiel, so saftig und zart war es. Natürlich war auch dieses Restaurant eines von Peps Empfehlungen und es war mit Abstand neben dem "La Bruschetta" das Beste, wenn auch die Steaks im "Bonanza" gut waren und das Flair mit Live-Musik im "Café del Sol" am Strand von Cala Millor im Sonnenuntergang wirklich schön war. Zum Nachtisch gab es Crema Catalana und für Mads ein Vanilleeis. Als es kam, war er ganz entrüstet und schüttelte sich: "Da ist eine Blume in meinem Eis! Eine Baby-Blume!"...es war ein bißchen Minze zur Dekoration...


Ein paar Restaurants stehen noch auf Peps Liste und kaum Zuhause angekommen, vermissen wir nun schon unsere Schafe und Hühner und natürlich die Finca mit ihrem schönen Pool. Aber die schönsten Urlaube sind doch die, bei denen man sich hinterher wünscht, ein paar Tage mehr eingeplant zu haben...

Ps.: Hier noch ein paar Tipps, wie der Urlaub mit Freunden ohne Stress und Streit klappt:
  1. Mietet mehrere Autos! Wir hatten eins je "Familie" und somit hatte jeder die Freiheit, das zu tun, woraum er Lust hatte. Was mich zu Punkt 2 führt.
  2. Hängt nicht jeden Tag aufeinander. Nicht alle haben jeden Tag Lust auf dieselben Ausflüge, Strände oder darauf am Pool zu bleiben. Es sollte nicht zu Stress führen, wenn mal jemand etwas alleine machen möchte. Während wir in Cala Millor im Kinderparadies waren und unsere Kinder auf der Hüpfburg oder beim GoKart fahren beobachteten, fuhren Marion und Micha nach Palma und schlenderten durch die Stadt. 
  3. Zu guter Letzt: Macht immer das Beste daraus! Am Strand von Cala Agulla sah ich in die sich auftürmenden Wellen und fragte mich, was wir mit zwei kleinen Kindern hier machen. Aber dann tobten eben mal wir Erwachsenen im Meer und hatten riesen Spaß und die Kinder waren im Sand mit Eimer und Schaufel zufrieden. 

Montag, Juni 26, 2017

HO17...oder "Die Welt zu Gast in Hessisch Oldendorf"

Es gibt zwei feste Termine, an denen Hessisch Oldendorf aus dem Winterschlaf erwacht. Neben dem jährlichen Karnevalsumzug, an dem die Stadt voll ist mit lustig gekleideten Menschen aus den nahe liegenden Regionen, gibt es ein Event, das alle vier Jahre sogar Menschen aus aller Welt in unser kleines Städtchen lockt: Das internationale VW Veteranentreffen


Alle vier Jahre werden wir ein Wochenende lang zum Zentrum von T1, T2 und Käferbesitzern, die von den entlegensten Fleckchen dieses Planeten anreisen, um dabei zu sein. Christian Grundmann und sein Vater Traugott haben dann die Stadt mit ihrem Organisationsteam in Ihrer Hand. Und es ist immer grandios! 

"Einer von uns hat ein Plakat von einem VW Treffen in Hessisch Oldendorf vor einer Toilette in Indonesien hängen sehen, da dachten wir, da müssen wir hin!", erklären uns Clifton, Udh, Monica, Terence und ihre Freunde von Live2Drive aus Malaysia. Sie sind vor Monaten los gefahren, den ganzen Weg von Malaysia bis zu uns. Nun wohnen sie bei Mirko in Fuhlen und seine Mutter Elke serviert jeden Morgen das Frühstück. "A wonderful woman", schwärmen sie. Wir kennen Elke und wissen natürlich, dass sie sich super um die Truppe kümmern wird! 


Clifton kommt aus dem Erzählen nicht mehr heraus. Wir könnten ihm ewig zuhören. Er hat sogar mal einer älteren Dame mit Rollstuhl seinen alten VW Bus über längere Zeit gegeben und er erzählt von der Charity, vom Verkaufen von T-Shirts für bedürftige Kinder. Sie sammeln auf ihrer Reise Spenden und machen Aktionen. Finden wir klasse! 

Es ist Freitag Abend und die Stadt platzt aus allen Nähten. Fahrzeugbesitzer stellen stolz ihre VWs aus, man hört alle erdenktlichen Sprachen in den Gassen und wir tauchen ein in das Vergnügen. Wir reden lange mit den lustigen, verrückten Typen von Live2Drive. Als ich nach einem Foto frage, entdecken sie meine Familie und stürmen auf meinen Onkel Bobby ein: "He looks like Robert de Niro!!!", "Can we take a picture with you?". Wir lachen uns schlapp, denn diese Ähnlichkeit haben wir bisher noch nicht ausmachen können und erklären ihnen, dass er sogar Robert heißt. Terence zeigt uns Fotos aus seiner Jugend mit Afrofrisur und erzählt mit einem Augenzwinkern, dass er eigentlich zu den "Jackson 6" gehört. Michael Jackson und Robert de Niro auf einem Foto, sowas gibt es wohl nur hier. Tausende Kilometer liegen eigentlich zwischen und aber die Kommunikation läuft vom ersten Moment an! Wir werden sogar eingeladen und Terence erklärt uns beiläuftig, dass er gern Gäste aus aller Welt bei sich hat. Das letzte mal war es ein Pärchen aus Frankreich. Das wollte eigentlich 8 Tage bleiben, blieb dann aber 8 Monate. Wir denken schon an den nächsten verrückten Familientrip...Osterferien in Malaysia? Mit einem Lokal als Guide? Klingt fantastisch!


Abends feiern wir im Stadtzentrum. Die australische Band "The Wishing Well" rockt im Rathaus-Innenhof und wir sind dabei. Der Bürgermeister gesellt sich zu uns und ich erkenne ihn erst auf den zweiten Blick ohne den obligatorischen Anzug. Im "Festival T-Shirt" schwärmt er von der Band. Später spielt ein DJ auf der "Main Stage" Kracher von Nirvana, Blur...und bei "I would walk 500 miles" dreht eine Gruppe Engländer total durch...aber im positiven Sinne! Sie springen und tanzen und wir lassen uns von der Stimmung mitreißen. Die Cocktails sind gut, die Leute lustig, der DJ gibt alles! Ich kann mich nicht erinnern in Hessisch Oldendorf auf einer öffentlichen Veranstaltung bis 3h nachts einfach nur gefeiert, getanzt und dazu auch noch englisch gesprochen zu haben.


Der nächste Tag beginnt mit einer Verhaftung. Entschuldigend erklärt Jens dem Mann in Vintage-Polizeiuniform, dass seine Frau für ein gutes Foto selbst ihren Mann einbuchten lässt. Ich verspreche ihm einen Kuchen mit Feile zu backen! Aber eigentlich bin ich hier, um die offizielle Begrüßung durch Herrn Grundmann, unseren Bürgermeister Harald Krüger und den Vorstandsvorsitzenden von VW Nutzfahrzeuge Dr. Eckhard Scholz zu sehen. Meine Freunde sagen, ich bin total gebrandet und ob ich als Groupie ein Plakat dabei habe, so aufgedreht freue ich mich. Fast wie früher beim ersten Backstreet Boys Konzert haha...

Nachmittags kommen wir mit unseren Kindern zurück. Mads ist 2 Jahre alt und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: "Ein Käfer-Auto, ein Bulli...zwei Bullis...VIELE BULLIS!!!". Wir radeln zur Weserfähre nach Großenwieden und beobachten, wie die Schwimmwagen zu Wasser gelassen werden. Mia will unbedingt mal mit fahren, aber als eines der Fahrzeuge so rasant ins Wasser fährt, dass die Insassen triefnass wieder aussteigen, überlegt sie es sich schnell doch nochmal. Bullis überqueren auf der Fähre die Weser und wir prosten uns mit einem kühlen Bierchen zu. Ich liebe das Weserbergland, aber die bunte Mischung der Menschen aus aller Welt und ihre geteilte Liebe zu VW Oldtimern lässt mich richtig stolz werden.


Am Abend kommen wir nochmal ohne Kinder wieder und genießen nochmals das Flair in der Stadt. Die Eisdielen und Cafés sind voll, Menschen unterhalten sich auf den Straßen, der DJ ist auch wieder da, laue Abendluft. Ich fange ein Gespräch auf der Straße auf: "Ich war schon bei vielen VW Treffen, aber dieses hier ist weltweit das Beste!". Mit ziemlicher Sicherheit ein Mann der Ahnung hat ;o)...


Sonntag schauen wir aus dem Fenster und es regnet in Strömen! Die Kinder sind erst nicht allzu überzeugt davon, bei diesem Wetter raus zu gehen und wir entscheiden uns diesmal für die Anfahrt mit dem Auto. Gar nicht so einfach einen Parkplatz zu finden, wenn 45 000 Menschen die kleine Stadt invasieren. Doch nette Anwohner lassen einen sogar auf dem Hof parken, wenn man lieb fragt. Wie herzlich und nett!

Als wir ankommen, bekommen unsere neuen Freunde von Live2Drive gerade einen Award für die weiteste Anreise mit dem Auto und dürfen sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Wir bahnen uns unseren Weg durch die Menschenmenge. Man sollte doch meinen, dass strömender Regen einige Gäste abhalten sollte, herzukommen, aber die Stadt ist wieder voll von VW Begeisterten. Wir haben uns mit Jens Eltern verabredet, die schon aufgeregt auf uns zu stürmen: "Wir haben uns mit einem Mann aus Honolulu unterhalten. Er fand es hier 'wonderful'! Aus Honolulu, Ines!!!". Ein Blick auf die Weltkarte vor dem Registrierungsbüro von HO17 zeigt deutlich, aus wie vielen Ecken der Welt die Menschen hierher gekommen sind. Wahnsinn! Und es wird ja wahrscheinlich auch nicht jeder einen Pin gesetzt haben. 


So viele Nationen, Fahrzeuge, Emotionen. Mein Schwiegervater schwelgt in Erinnerungen an seinen alten Käfer. Mein Vater erzählt, wie er einen verunfallten Käfer einmal in der Mitte auseinander geflext und mit einem zweiten Käfer vom Schrottplatz wieder zusammen geschweißt hat. "Der fuhr wieder wie eine Eins!"...und verkauft hat er ihn auch noch zum guten Preis, der Fuchs! 


Am Montag Abend wird in kleiner Runde zum Abschluss bei Mirko zuhause Malayisch gekocht. Mia ist mitgekommen und flitzt mit den anderen Kindern um die Bullis. Fernando spielt "Hotel California" auf der Gitarre, Clifton zeigt uns seinen Hula-Hüftschwung und Monica und ich stellen fest, dass wir in Sydney im Stadtteil Balmain mal nur eine Straße voneinander entfernt gewohnt haben. Bob kommt auch aus Australien und hat denselben Nachnamen wie ein Bekannter von mir. Beide kommen aus Melbourne und sein Bruder heißt sogar mit Vornamen wie mein Bekannter. Scheint aber nicht derselbe Peter zu sein. Das wäre auch zu verrückt gewesen! Wir lachen, essen Lamm und Elke gibt uns einen Englischkurs. Schade, dass das schöne Hippie-Leben nun erstmal wieder vorbei ist, denke ich, als ich  mit Mia wieder nach Hause radel.

Bis in vier Jahren, meine Lieben! Wir werden auf jeden Fall wieder mit dabei sein!

Samstag, April 22, 2017

California Love Teil 5 - Vom Piratennest zurück in die Heimat

Idyllisch ist so ein Frühstück am Hafen im warmen Bulli, während draußen trotz Sonne der Wind fegt. Die Nacht im oberen Bett war etwas zugig für Mia und Jens, und auch Mads drehte sich im, vom Sturm leicht durchgeschüttelten, Bulli unruhig hin und her. 

Dementsprechend verschlafen gucken wir wohl aus der Wäsche, als plötzlich ein bulliger Kerl mit Bomberjacke an unsere Schiebetür klopft. Haben wir doch vorher gerade noch Witze darüber gemacht, dass der Hafenmeister uns gleich mit seinem Hund vertreiben würde. Der Typ ist eigentlich ganz nett und erklärt uns, dass wir hier nicht übernachten dürften und sein Chef ihn angewiesen hat, Knöllchen unter den Campern zu verteilen. "Aber da hab ich keine Lust drauf!", sagt er mit einem Augenzwinkern und meint, dass er uns nochmal davon kommen lässt. Wir sind ihm dankbar, da wir mit zwei müden Kindern am gestrigen Abend wirklich nicht noch weiter fahren wollten und versprechen schnellstmöglich das Weite zu suchen. 

Er nimmt seinen Stapel Knöllchen, verabschiedet sich freundlich und geht zum nächsten Camper, wo er sich das Kennzeichen notiert und einen Zettel unter den Scheibenwischer klemmt. Die armen Camper schlafen noch und erfahren wohl erst später von ihrem Glück. Wir atmen erleichtert auf, packen all unseren Kram zusammen (jeden Morgen eine neue Herausforderung alles halbwegs sinnvoll und schnell zu verstauen) und brausen, vorbei an der Kneipe "Piratennest" (was Mia sehr beeindruckt), davon. 

Unser letzter Tag des "Bulli Abenteuers" hat begonnen und Mias größter Wunsch auf dieser Reise soll nun in Erfüllung gehen: Sehr bescheiden wünscht sie sich einen Tag auf dem großen Abenteuerspielplatz in Dahme zu verbringen, den sie von früheren Urlauben an der Ostsee noch kennt. So einfache Wünsche erfüllen wir natürlich sofort! Am Rand von Dahme, auf einem kleinen Parkplatz direkt am Strand, machen wir uns kurz frisch und putzen unsere Zähne, damit wir halbwegs vorzeigbar für die Zivilisation sind, fahren dann in den Ort und lassen die Kinder auf den Spielplatz an der Strandpromenade los. 

Mia ist glücklich! Mads tobt hinter ihr her. Alles, was Mia macht, findet er super und möchte es unbedingt auch haben oder machen. Als Jens und ich uns Kaffee holen und Mia, in einen To-Go-Becher abgefüllte Apfelschorle bekommt, schreit Mads über die ganze Strandpromenade: "Meeeein Kaffeeee!!! Ich auch ein Kaffee habeeeeen!!!". Wir nehmen es mit Humor und Mads wird mit Streuselkuchen und ein paar Zügen aus dem vermeintlichen Kaffeebecher besänftigt. Kinder glücklich - Eltern entspannt! Die Sonne gibt heute nochmal alles, aber der Wind geht noch ganz schön, obwohl wir mit fast 13°C den wärmsten Tag unserer Reise erleben. Jens und ich lassen uns auf der Terasse eines Spielhäuschens nieder und halten unsere Nasen in die Sonne, während wir gemütlich unseren Kaffee schlürfen.

Vor der Rückreise fahren wir noch etwas abseits von Dahme auf den Deich, klappen ein letztes mal bei geöffneter Schiebetür in der Sonne den Tisch aus und stärken uns mit, den an der Strandpromenade gekauften, Fischbrötchen (für uns) und Bratwürstchen (für die Kinder). Am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber zu hause wartet etwas auf uns "Wildcamper", das unser Bulli leider nicht zu bieten hat: eine heiße Badewanne. Aber es war eine schöne Zeit auf unserem "Bulli-Abenteuer", wie Mia es so schön nennt. Von den einsamen Schlafplätzen, über die Mordendlichen tierischen Besucher bis hin zu allem, das wir tagsüber erlebt haben! Bye, bye, Bulli und vielleicht bis bald mal wieder! Und danke an die netten Jungs von Ahoi Bullis für den guten Service!

Freitag, April 21, 2017

California Love Teil 4 - Auf den Spuren von Jimmy Hendrix

Unsere "Aufwachtiere" sind heute die treu dreinschauenden Angus Rinder. "Viele Muh!", ruft Mads begeistert, als wir die Rollos hochziehen. Auf dem Angus Hof herrscht schon reger Betrieb. Sandra lässt die Hühner raus und Mads springt auf mich zu und versucht panisch auf meinen Arm zu klettern, als zwei auf ihn zulaufen. Er hatte schon immer Angst vor Hühnern, warum auch immer. "Die Hühner lieben das Grad hier beim Bulli", sagt Sandra, "und dann legen sie grüne Eier.". Wir alle schmunzeln, aber es war gar kein Scherz. 

Am nächsten Tag sollten wir unter unseren, auf dem Hof gekauften, Frühstückseiern tatsächlich zwei grüne Eier entdecken. 

Wir erkunden den Hof noch eine Weile, die Kinder finden die Spielgeräte, wir stöbern noch ein bißchen im Hofladen und Sandra erzählt vom Leben auf dem Bio Bauernhof und ihre letzte eigene Reise im Wohnmobil durch Frankreich. 

Dann geht unsere Reise weiter Richtung Fehmarn. Am Südstrand bei Burg lassen wir uns erneut den Wind um die Nase wehen und gehen dann frühzeitig auf die Suche nach einem Nachtlager (man lernt ja jede Nacht dazu!). Etwas entfernt von Burg am Püttseer Strand (unweit des Jimmy Hendrix Gedenksteins) werden wir vermeintlich fündig. Ein einsamer Parkplatz an den Dünen. Dort steht zwar "Nur bis 21h geöffnet", aber wir wollen es riskieren. Schließlich ist hier weit und breit keine Menschenseele zu sehen. 

Beruhigt, dass wir vorbereitet in die Nacht starten werden, verbringen wir den Rest des Tages im Fehmare am Südstrand. Die Kinder toben in den Wellen des Meerwasserschwimmbads und wir rutschen alle zusammen die Dunkelrutsche hinunter bis zum Umfallen. Oder besser gesagt, bis das Bad schließt und wir es als letzte verlassen. 

Bei DaGianni sind wir schon so hungrig und kaputt, dass Mads einen kleinen Schreianfall bekommt. Gianni und sein Kellner nehmen es gelassen und versorgen ihn mit einem Berg Spielzeug, um ihn bei Laune zu halten, bis das Essen kommt. Sehr gut! Wir sind schon ins Schwitzen gekommen. Dann fallen alle hungrig über Pizza und Lasagne her, während es draußen dunkel wird und wir uns langsam auf den Weg zu unserem Schlafplatz machen. Die Fahrt über kleine Straßen durch verschlafene Dörfchen zieht sich im Dunkeln. Als wir endlich ankommen, jammert Mia vom Rücksitz, dass es draußen dunkel und unheimlich ist und sie hier nicht schlafen will. Und selbiges hat sich dann auch schon von selbst erledigt, da die Schranke an dem einsamen Parkplatz tatsächlich von jemandem heruntergelassen wurde. Jens und ich sehen uns ratlos und müde an. Mads ist schon längst im Kindersitz eingeschlafen und Mia ist müde und ängstlich. Auf dem Navi entdecke ich den Hafen von Orthe und bevor wir zurück nach Burg auf einen der unromantischen Wohnmobilhäfen fahren, wollen wir es dort noch versuchen. 

Wir fahren vorsichtlich durch die Nacht, sind uns schließlich gerade innerhalb weniger Minuten fast ein Hase und ein Reh vor den Bulli gelaufen. In Orthe hängen auch bereits Ketten vor den Parkplätzen, aber am Hafen direkt gibt es kein Schild, dass parken oder gar eine Übernachtung verbieten würde. Außer uns stehen noch zwei weitere Bullis dort mit Jalousien unten. Wir beschließen uns dazu zu stellen. Ist ja ganz idyllisch hier. Ein paar alte Häuschen mit Gaststätten und viele kleine Boote. Wir parken vor der "Lina" (ein Zeichen, hieß doch unsere Uroma so) und bauen in der stürmischen Dunkelheit unsere Betten auf.

Donnerstag, April 20, 2017

Caifornia Love Teil 3 - Flaschenpost und Angus Rinder

Wieder eine angenehme Nacht, nach der sich Mads um halb 8 langsam räkelt. Mia gesellt sich von oben zu uns und wir kuscheln uns noch ein wenig zusammen. Die Rollos haben wir schon hochgezogen und Mads kommentiert die wenigen vorbeifahrenden Fahrzeuge fröhlich ("Ein Motorrad!", "Ein Bulli!",...). Plötzlich kommt ein Hase aus dem gegenüberliegenden Waldstückchen gehoppelt und Mads hüpft aufgeregt auf dem Bett herum. "Ein Hase! Mama, großer Hase, da!". Großartig! Jeden Morgen eine neue Attaktion beim Aufstehen. Mia mutmaßt, dass es ja der Osterhase sein könnte. Nicht ganz uneigennützig wahrscheinlich...

Wir alle haben uns heute sehr auf eine heiße Dusche gefreut, aber der Wasserstrahl im "Familienbad" des Kapitänshauses ist eher enttäuschend. "Wie aus einem Gartenschlauch!", beschwert sich Jens und verlässt uns in Richtung Herrenduschen. Hauptsache heiß, denkt der Rest von uns. Und so machen wir uns frisch und duftend auf nach Kiel.

In Kiel ist es auch trocken, aber es weht ein eisiger Wind und Mia ist maulig. Wir beobachten Schiffe im Hafen und futtern Fischbrötchen. Mia lässt sich mit einem Eis besänftigen und Mads träumt mit seinem Minimilk auf Jens Schultern so lange vor sich hin, bis Jens eine ordentliche Portion Erdbeereis an den Haaren herunterläuft. Wozu Feuchttücher aus der Wickeltasche hier alles gebraucht werden, haha. 

Die Colorline legt tutend ab und verlässt, an uns vorbei, langsam den Hafen und auch wir beschließen, dass es Zeit die Weiterfahrt nach Laboe ist. Dort lassen wir am Strand unsere, extra mitgebrachte, Flaschenpost ins Wasser, in der Hoffnung, dass wir eine Antwort erhalten. 


Am Marinedenkmal in Laboe finden wir, schon zur Weiterfahrt bereit, zufällig das alte U-Boot, in dem wir beide schon als Kinder waren. Wir legen dort spontan einen Zwischenstopp ein und besichtigen es mit den Kindern. Unfassbar, dass hier auf engstem Raum 56 Mann wochenlang Platz gefunden haben. Mia staunt, denn im Mannschaftsraum mit 10 Betten sollen 27 Matrosen geschlafen haben: "Das sind ja mehr Männer als Kinder in meiner Klasse!". Zudem wurden hier Lebensmittel an der Decke (und im Klo, ihhh) gelagert. Mads hingegen ist fasziniert von den vielen "Lenkrädern" im U-Boot. "Hier ein Lenkrad, noch ein Lenkrad! Viele Lenkräder!", ruft er begeistert.

Gut, dass bei all unseren Stopps an diesem Tag unser Lager für die Nacht schon geplant ist. Vor zwei Tagen hatten wir bereits über Landvergnügen den Angus Hof in Stakendorf gefunden, auf dem Sandra und Dirk kostenlos Stellplätze für Camper anbieten, und haben uns direkt dort angemeldet. Als wir auf den Hof fahren, schraubt Dirk gerade an seinem Trecker und begrüßt uns freundlich. Wir sind, wie immer, hungrig und brausen auf seine Empfehlung erst einmal zum "Alten Rathaus" in Schönberg. Von vorn sehr unscheinbar, wären wir sicherlich ohne Dirks Tipp daran vorbei gefahren. Aber so werden wir nett und gut bewirtet. Mia ist so hungrig, dass sie nach Kartoffelpuffern noch eine Portion Spiegelei mit Kartoffeln verdrückt.


Sandra und Dirk haben sogar ein Bad mit Waschbecken und Toilette für uns. Dass es noch im Rohbau ist, stört uns nicht. Sandra führt uns abends noch ein wenig über den Hof. Wir schlafen vis-à-vis mit den Angus Rindern. Ansonsten gibt es noch Hühner, eine freche Katze, Pony & Pferd und drei Hunde. Im Hofladen dürfen wir uns trotz Ladenschluss noch mit Eiern und selbst gemachter Marmelade für das Frühstück eindecken und kriegen dann zufrieden in unsere Betten.