Samstag, April 22, 2017

California Love Teil 5 - Vom Piratennest zurück in die Heimat

Idyllisch ist so ein Frühstück am Hafen im warmen Bulli, während draußen trotz Sonne der Wind fegt. Die Nacht im oberen Bett war etwas zugig für Mia und Jens, und auch Mads drehte sich im, vom Sturm leicht durchgeschüttelten, Bulli unruhig hin und her. 

Dementsprechend verschlafen gucken wir wohl aus der Wäsche, als plötzlich ein bulliger Kerl mit Bomberjacke an unsere Schiebetür klopft. Haben wir doch vorher gerade noch Witze darüber gemacht, dass der Hafenmeister uns gleich mit seinem Hund vertreiben würde. Der Typ ist eigentlich ganz nett und erklärt uns, dass wir hier nicht übernachten dürften und sein Chef ihn angewiesen hat, Knöllchen unter den Campern zu verteilen. "Aber da hab ich keine Lust drauf!", sagt er mit einem Augenzwinkern und meint, dass er uns nochmal davon kommen lässt. Wir sind ihm dankbar, da wir mit zwei müden Kindern am gestrigen Abend wirklich nicht noch weiter fahren wollten und versprechen schnellstmöglich das Weite zu suchen. 

Er nimmt seinen Stapel Knöllchen, verabschiedet sich freundlich und geht zum nächsten Camper, wo er sich das Kennzeichen notiert und einen Zettel unter den Scheibenwischer klemmt. Die armen Camper schlafen noch und erfahren wohl erst später von ihrem Glück. Wir atmen erleichtert auf, packen all unseren Kram zusammen (jeden Morgen eine neue Herausforderung alles halbwegs sinnvoll und schnell zu verstauen) und brausen, vorbei an der Kneipe "Piratennest" (was Mia sehr beeindruckt), davon. 

Unser letzter Tag des "Bulli Abenteuers" hat begonnen und Mias größter Wunsch auf dieser Reise soll nun in Erfüllung gehen: Sehr bescheiden wünscht sie sich einen Tag auf dem großen Abenteuerspielplatz in Dahme zu verbringen, den sie von früheren Urlauben an der Ostsee noch kennt. So einfache Wünsche erfüllen wir natürlich sofort! Am Rand von Dahme, auf einem kleinen Parkplatz direkt am Strand, machen wir uns kurz frisch und putzen unsere Zähne, damit wir halbwegs vorzeigbar für die Zivilisation sind, fahren dann in den Ort und lassen die Kinder auf den Spielplatz an der Strandpromenade los. 

Mia ist glücklich! Mads tobt hinter ihr her. Alles, was Mia macht, findet er super und möchte es unbedingt auch haben oder machen. Als Jens und ich uns Kaffee holen und Mia, in einen To-Go-Becher abgefüllte Apfelschorle bekommt, schreit Mads über die ganze Strandpromenade: "Meeeein Kaffeeee!!! Ich auch ein Kaffee habeeeeen!!!". Wir nehmen es mit Humor und Mads wird mit Streuselkuchen und ein paar Zügen aus dem vermeintlichen Kaffeebecher besänftigt. Kinder glücklich - Eltern entspannt! Die Sonne gibt heute nochmal alles, aber der Wind geht noch ganz schön, obwohl wir mit fast 13°C den wärmsten Tag unserer Reise erleben. Jens und ich lassen uns auf der Terasse eines Spielhäuschens nieder und halten unsere Nasen in die Sonne, während wir gemütlich unseren Kaffee schlürfen.

Vor der Rückreise fahren wir noch etwas abseits von Dahme auf den Deich, klappen ein letztes mal bei geöffneter Schiebetür in der Sonne den Tisch aus und stärken uns mit, den an der Strandpromenade gekauften, Fischbrötchen (für uns) und Bratwürstchen (für die Kinder). Am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber zu hause wartet etwas auf uns "Wildcamper", das unser Bulli leider nicht zu bieten hat: eine heiße Badewanne. Aber es war eine schöne Zeit auf unserem "Bulli-Abenteuer", wie Mia es so schön nennt. Von den einsamen Schlafplätzen, über die Mordendlichen tierischen Besucher bis hin zu allem, das wir tagsüber erlebt haben! Bye, bye, Bulli und vielleicht bis bald mal wieder! Und danke an die netten Jungs von Ahoi Bullis für den guten Service!

Freitag, April 21, 2017

California Love Teil 4 - Auf den Spuren von Jimmy Hendrix

Unsere "Aufwachtiere" sind heute die treu dreinschauenden Angus Rinder. "Viele Muh!", ruft Mads begeistert, als wir die Rollos hochziehen. Auf dem Angus Hof herrscht schon reger Betrieb. Sandra lässt die Hühner raus und Mads springt auf mich zu und versucht panisch auf meinen Arm zu klettern, als zwei auf ihn zulaufen. Er hatte schon immer Angst vor Hühnern, warum auch immer. "Die Hühner lieben das Grad hier beim Bulli", sagt Sandra, "und dann legen sie grüne Eier.". Wir alle schmunzeln, aber es war gar kein Scherz. 

Am nächsten Tag sollten wir unter unseren, auf dem Hof gekauften, Frühstückseiern tatsächlich zwei grüne Eier entdecken. 

Wir erkunden den Hof noch eine Weile, die Kinder finden die Spielgeräte, wir stöbern noch ein bißchen im Hofladen und Sandra erzählt vom Leben auf dem Bio Bauernhof und ihre letzte eigene Reise im Wohnmobil durch Frankreich. 

Dann geht unsere Reise weiter Richtung Fehmarn. Am Südstrand bei Burg lassen wir uns erneut den Wind um die Nase wehen und gehen dann frühzeitig auf die Suche nach einem Nachtlager (man lernt ja jede Nacht dazu!). Etwas entfernt von Burg am Püttseer Strand (unweit des Jimmy Hendrix Gedenksteins) werden wir vermeintlich fündig. Ein einsamer Parkplatz an den Dünen. Dort steht zwar "Nur bis 21h geöffnet", aber wir wollen es riskieren. Schließlich ist hier weit und breit keine Menschenseele zu sehen. 

Beruhigt, dass wir vorbereitet in die Nacht starten werden, verbringen wir den Rest des Tages im Fehmare am Südstrand. Die Kinder toben in den Wellen des Meerwasserschwimmbads und wir rutschen alle zusammen die Dunkelrutsche hinunter bis zum Umfallen. Oder besser gesagt, bis das Bad schließt und wir es als letzte verlassen. 

Bei DaGianni sind wir schon so hungrig und kaputt, dass Mads einen kleinen Schreianfall bekommt. Gianni und sein Kellner nehmen es gelassen und versorgen ihn mit einem Berg Spielzeug, um ihn bei Laune zu halten, bis das Essen kommt. Sehr gut! Wir sind schon ins Schwitzen gekommen. Dann fallen alle hungrig über Pizza und Lasagne her, während es draußen dunkel wird und wir uns langsam auf den Weg zu unserem Schlafplatz machen. Die Fahrt über kleine Straßen durch verschlafene Dörfchen zieht sich im Dunkeln. Als wir endlich ankommen, jammert Mia vom Rücksitz, dass es draußen dunkel und unheimlich ist und sie hier nicht schlafen will. Und selbiges hat sich dann auch schon von selbst erledigt, da die Schranke an dem einsamen Parkplatz tatsächlich von jemandem heruntergelassen wurde. Jens und ich sehen uns ratlos und müde an. Mads ist schon längst im Kindersitz eingeschlafen und Mia ist müde und ängstlich. Auf dem Navi entdecke ich den Hafen von Orthe und bevor wir zurück nach Burg auf einen der unromantischen Wohnmobilhäfen fahren, wollen wir es dort noch versuchen. 

Wir fahren vorsichtlich durch die Nacht, sind uns schließlich gerade innerhalb weniger Minuten fast ein Hase und ein Reh vor den Bulli gelaufen. In Orthe hängen auch bereits Ketten vor den Parkplätzen, aber am Hafen direkt gibt es kein Schild, dass parken oder gar eine Übernachtung verbieten würde. Außer uns stehen noch zwei weitere Bullis dort mit Jalousien unten. Wir beschließen uns dazu zu stellen. Ist ja ganz idyllisch hier. Ein paar alte Häuschen mit Gaststätten und viele kleine Boote. Wir parken vor der "Lina" (ein Zeichen, hieß doch unsere Uroma so) und bauen in der stürmischen Dunkelheit unsere Betten auf.

Donnerstag, April 20, 2017

Caifornia Love Teil 3 - Flaschenpost und Angus Rinder

Wieder eine angenehme Nacht, nach der sich Mads um halb 8 langsam räkelt. Mia gesellt sich von oben zu uns und wir kuscheln uns noch ein wenig zusammen. Die Rollos haben wir schon hochgezogen und Mads kommentiert die wenigen vorbeifahrenden Fahrzeuge fröhlich ("Ein Motorrad!", "Ein Bulli!",...). Plötzlich kommt ein Hase aus dem gegenüberliegenden Waldstückchen gehoppelt und Mads hüpft aufgeregt auf dem Bett herum. "Ein Hase! Mama, großer Hase, da!". Großartig! Jeden Morgen eine neue Attaktion beim Aufstehen. Mia mutmaßt, dass es ja der Osterhase sein könnte. Nicht ganz uneigennützig wahrscheinlich...

Wir alle haben uns heute sehr auf eine heiße Dusche gefreut, aber der Wasserstrahl im "Familienbad" des Kapitänshauses ist eher enttäuschend. "Wie aus einem Gartenschlauch!", beschwert sich Jens und verlässt uns in Richtung Herrenduschen. Hauptsache heiß, denkt der Rest von uns. Und so machen wir uns frisch und duftend auf nach Kiel.

In Kiel ist es auch trocken, aber es weht ein eisiger Wind und Mia ist maulig. Wir beobachten Schiffe im Hafen und futtern Fischbrötchen. Mia lässt sich mit einem Eis besänftigen und Mads träumt mit seinem Minimilk auf Jens Schultern so lange vor sich hin, bis Jens eine ordentliche Portion Erdbeereis an den Haaren herunterläuft. Wozu Feuchttücher aus der Wickeltasche hier alles gebraucht werden, haha. 

Die Colorline legt tutend ab und verlässt, an uns vorbei, langsam den Hafen und auch wir beschließen, dass es Zeit die Weiterfahrt nach Laboe ist. Dort lassen wir am Strand unsere, extra mitgebrachte, Flaschenpost ins Wasser, in der Hoffnung, dass wir eine Antwort erhalten. 


Am Marinedenkmal in Laboe finden wir, schon zur Weiterfahrt bereit, zufällig das alte U-Boot, in dem wir beide schon als Kinder waren. Wir legen dort spontan einen Zwischenstopp ein und besichtigen es mit den Kindern. Unfassbar, dass hier auf engstem Raum 56 Mann wochenlang Platz gefunden haben. Mia staunt, denn im Mannschaftsraum mit 10 Betten sollen 27 Matrosen geschlafen haben: "Das sind ja mehr Männer als Kinder in meiner Klasse!". Zudem wurden hier Lebensmittel an der Decke (und im Klo, ihhh) gelagert. Mads hingegen ist fasziniert von den vielen "Lenkrädern" im U-Boot. "Hier ein Lenkrad, noch ein Lenkrad! Viele Lenkräder!", ruft er begeistert.

Gut, dass bei all unseren Stopps an diesem Tag unser Lager für die Nacht schon geplant ist. Vor zwei Tagen hatten wir bereits über Landvergnügen den Angus Hof in Stakendorf gefunden, auf dem Sandra und Dirk kostenlos Stellplätze für Camper anbieten, und haben uns direkt dort angemeldet. Als wir auf den Hof fahren, schraubt Dirk gerade an seinem Trecker und begrüßt uns freundlich. Wir sind, wie immer, hungrig und brausen auf seine Empfehlung erst einmal zum "Alten Rathaus" in Schönberg. Von vorn sehr unscheinbar, wären wir sicherlich ohne Dirks Tipp daran vorbei gefahren. Aber so werden wir nett und gut bewirtet. Mia ist so hungrig, dass sie nach Kartoffelpuffern noch eine Portion Spiegelei mit Kartoffeln verdrückt.


Sandra und Dirk haben sogar ein Bad mit Waschbecken und Toilette für uns. Dass es noch im Rohbau ist, stört uns nicht. Sandra führt uns abends noch ein wenig über den Hof. Wir schlafen vis-à-vis mit den Angus Rindern. Ansonsten gibt es noch Hühner, eine freche Katze, Pony & Pferd und drei Hunde. Im Hofladen dürfen wir uns trotz Ladenschluss noch mit Eiern und selbst gemachter Marmelade für das Frühstück eindecken und kriegen dann zufrieden in unsere Betten. 

Mittwoch, April 19, 2017

California Love Teil 2 - Ein Bulli als Strandkorb

Unglaublich! Mads schläft im Bulli eine seiner ersten Nächte durch und wir wachen alle fit und ausgeschlafen um halb 9 auf. Und nicht nur das! Gerade als wir so langsam alle Rollos hochgezogen haben, kommt ein Reh neugierig aus dem Gebüsch an unseren Bulli gelaufen. Die Kinder sind begeistert und wir beobachten, wie es vor dem Fenster stehen bleibt, guckt, noch einen Schritt geht...bis Mads an die Scheibe klopft und "Hallooooo Reeeeh!" ruft. Zack ist es weg und der magische Moment vorbei. Nur noch die Schafe und wir sind da, als Jens den Bulli in Richtung Sonne wendet und wir uns über das Frühstück hermachen, die Schiebetür mit Blick auf Deich und Schafe geöffnet. 

Heute fahren wir an den Autostrand. Erst haben wir herrliches Wetter und knapp 10°C. Der Bulli ist unser Strandkorb. Für Mads werfen wir die Spieldecke und Sandspielzeug in den Sand. Er ist ganz aus dem Häuschen, fitzt erstmal durch den Sand, immer wieder um den Bulli herum, und begrüßt dann die nette, ältere Hippie-Dame im pinken T4 California neben uns. Jens und ich klappen die Klappstühle auf, windgeschützt vom Bulli, und Mia fragt: "Und wo sind unsere Liegen? Mama, können wir unsere Liegen aufstellen?". "Welche Liegen?", frage ich lachend. Wir sind mit all unserem Kram so beladen, dass ich beim besten Willen nicht weiß, wo sie hier noch Liegen vermutet. 

Wir genießen die Zeit in der Sonne, schlendern am Strand entlang und nur Mia zeigt sich besorgt, dass die Flut uns plötzlich überraschen und wegspülen könnte. Sie hat gehört, dass man hier am Wattenmeer von der Flut überrascht werden kann. Dass wir uns am Strand und nicht auf einer Wattwanderung befinden und sich das Risiko damit in Grenzen hält, überzeugt sie auch nicht und so hält sie lieber einen großen Sicherheitsabstand zum Wasser. 

Mads Highlight am Strand ist ein Bagger, der von einem Trecker auf einem Anhänger an den Strand transportiert wird und dort eine Grube aushebt. "Bagger! Da, Trecker! Mama, da Hänger!" ruft er begeistert. Gleich drei Dinge auf einmal, wie ein Überraschungsei für kleine Jungs. 

Als dem Kleinen später auf Jens Schultern schon die Augen zufallen und Mia maulig und müde wird, fahren wir das Dach hoch und lassen die Kinder auf dem oberen Bett Mittagsschlaf machen, während wir mit geöffneter Schiebetür im Bulli auf dem Boden sitzen und die Leute am Strand beobachten, bis auch mir, an Jens gekuschelt, langsam die Augen zu einem kleinen Schläfchen zufallen. Ich liebe den Autostrand jetzt schon! Wir verbringen den ganzen Tag hier und verlassen den Strand nur zum Abendessen. Bei lecker Fisch kommt die Frage auf, ob wir nochmal auf der Schafwiese campen oder auf einen Campingplatz fahren. Da wir die Bauern am Deich nicht verärgern wollen, entscheiden wir uns heute für den offiziellen Weg. Doch leider ist es schon so spät, dass alle Campingplätze geschlossen haben und auch keiner unserer Anrufe beantwortet wird. 

Zurück am Autostrand versuchen wir einen Plan zu machen, was nun passieren soll. Wir beobachten den glutroten Sonnenuntergang, als das Schicksal ein Einsehen mit uns hat und ein Campingplatzbesitzer aus Tönning zurück ruft. Nicht viel später, es ist gegen 22 Uhr und schon dunkel, kommen wir am Kapitänshaus in Tönning an, bauen mit Blick auf die Eider unser Lager auf und kippen direkt totmüde in unsere Kojen. Morgen wird ein neuer, spannender Tag!

Dienstag, April 18, 2017

California Love Teil 1 - Ein erster Versuch zu Viert

Es ist tatsächlich schon 8 Jahre her, dass Jens und ich zu zweit im Caddy Beach (damals hatte er noch den unglücklichen Namen "Tramper") in vier Wochen die Ostküste Australiens von Sydney bis zum Cape Tribulation erkundet haben. Zu eng wurde es uns nie und als wir den Caddy damals in Cairns wieder an Brizz zurück gaben waren wir ziemlich wehmütig. Es gibt doch nichts schöneres, als morgens die Heckklappe aufzumachen und von der Matratze aus in die Natur zu schauen. 

An diese Art des Reisens wollten wir unsere Kinder nun auch heranführen. Natürlich sollte es nicht gleich Australien sein, sondern erstmal ganz profan die Nord- und Ostseeküste. Wir hatten einen groben Reiseplan, wollten uns aber, wie damals in Australien, wieder einfach treiben lassen. Und das erwies sich auch als guter Plan!

Am Ostermontag verabschieden wir uns direkt nach dem Essen mit der Familie und einer kleinen Wandertour an den Externsteinen in Richtung Hamburg. 
Alex hat uns netterweise für die erste Nacht Unterschlupf gewährt, so dass wir am Dienstag früh ganz entspannt "unseren" VW California bei Ahoi Bullis abholen können. Thorben aus dem Team erklärt uns die Details unseres Bullis und dann geht es auch schon los. Mia ist ganz aufgeregt und zappelt kichernd auf ihrem Sitz hin und her: "Schlafen wir heute wirklich hier im Bulli? Kann es nicht schon endlich Abend sein?". Mads probiert das Schlafen im Bulli gleich einmal aus, wenn auch nur im Kindersitz.

Unsere erste Station ist die Seerobbenstation in Friedrichskoog. Auf dem Parkplatz der Station direkt am Hafen machen wir Rast. Wir klappen Stühle und den Tisch vor dem Bulli in der Sonne auf und futtern Brötchen, Eier und Kuchen, alles zuvor beim örtlichen Bäcker gekauft. 
Frisch gestärkt besuchen wir die Seerobbenstation, sehen Robben faul im Wasser liegen, beobachten wie Heuler gefüttert werden und klettern auf den Turm der Seenotrettung. Wir erfahren, dass die Heuler, die im Sommer geboren werden anderes Fell haben, als die die im Winter geboren sind und Mia hört aufmerksam zu, soll sie doch in der Schule nächste Woche von ihrem Besuch hier berichten. 
Ein kleiner Spaziergang über den Deich bringt die Ernüchterung, dass sich das Meer sich noch ziemlich weit hinter dem Watt verbirgt. 

Wir müssen unbedingt endlich an den ersten Strand! Es ist immerhin schon ein Jahr her, dass wir alle das letzte mal gemeinsam am Meer standen. Also geht es weiter nach Sankt Peter Ording und dort laufen wir voller Vorfreude über den langen Steg in Richtung Strand. Die Sonne gibt nochmal alles, kommt aber gegen den kalten Wind nicht an. Trotzdem ist es herrlich endlich wieder durch den Sand zu laufen und das Meer zu sehen. Die Kinder toben durch den Sand als wären sie auf Entzug gewesen! Passend zu diesem Meergefühl muss es heute Abend natürlich auch Fisch geben. Gosh, das am Anfang des langes Steges zu finden war, bietet sich an und wir kämpfen uns durch den Wind zurück "an Land". 

Nach dem Essen ist es schon spät. Ein langer, aufregender Tag in Hamburg, Friedrichskoog und Sankt Peter Ording liegt hinter uns und es wird Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Etwas außerhalb von Sankt Peter Ording an einem, etwas abgelegenen Feldweg am Deich werden wir fündig. Am Rande einer Schafwiese schlagen wir unser erstes "Bulli Lager" auf und Mia kichert vor Vorfreude, obwohl sie total erschlagen ist: "Hihi, darauf hab ich mich den ganzen Tag gefreut!". Die Betten im Bulli sind schnell gemacht. Mads und ich schlafen unten, für Mia und Jens fahren wir das Dach hoch. Die Standheizung sorgt für kuschelige Wärme. Immerhin sind draußen gerade mal noch 2°C. Die Schafe blöken leise in die Stille hinein und die Sterne leuchten hier, so weit ab von allem, ganz hell und klar. Kann es schöner sein, als so mitten in der Natur direkt neben dem Deich einzuschlafen?

Montag, Juli 11, 2016

Zuhause ist es doch am Schönsten!

Nun haben wir schon viel von unseren großen und kleinen Abenteuern in der ganzen Welt erzählt, da wird es auch einmal Zeit von einem schönen kleinen Fleckchen in Deutschland zu berichten, das wir unser Zuhause nennen dürfen: Das Weserbergland. Ich werde in Zukunft mal den ein oder anderen Beitrag hierzu in unseren Blog einsteuern.


Als wir heute eine wunderbare Fahrradtour über den Weserradweg unternommen haben, ist es uns mal wieder bewusst geworden: Zuhause ist es doch am Schönsten! Spontan frei genommen, los gefahren und erst einmal mit dem Rad mit gutem Tempo an der Weser entlang. Über die Weserbrücke, durch kleine Wäldchen, vorbei an herrlichen Rastplätzen unter großen alten Eichen und durch Kornfelder, die im Wind wehten (und oh Mann, war das heute ein (Gegen-)Wind!). In Fischbeck machten wir eine kleine Essenspause und überlegten, wo es nun hingehen könnte? Nach Hameln, ein Eis essen? Irgendwo ins Wasser springen?... Wir entschieden uns für eine "kleine" Tour zu den Klippen des Hohensteins. Unten am Fuß des Berges, in der Nähe der Pappmühle gibt es ein Wassertretbecken und dort hat man auch die Möglichkeit frisches Wasser aus einem Wasserspeier direkt aus der Quelle zu trinken. Das konnten wir bei dem Anstieg auch gut gebrauchen!


Noch eine Etappe leicht bergauf bis zur Baxmannbaude, einer kleinen Hütte im Wald, die aber leider unter der Woche nicht geöffnet hat, und wir standen vor dem Schild "Hohenstein, noch 1,2km". "Das ist doch zu schaffen!", sagte Jens und ich lugte kurz um die Ecke, um die Steigung des Berges zu begutachten. Wir waren schon schweißgebadet, die Sonne schien, aber zur Not konnte man ja schieben. 

Am Hohenstein hat man die Möglichkeit entweder den normalen, um den Berg gewundenen Waldweg hochzugehen (oder mit dem Rad zu fahren) oder direkt (gerade hoch) die steilen, alten Steintreppen zu nehmen. Wir fuhren ein Drittel des Berges mit dem Rad und entschlossen uns dann den Rest des Berges über die alten Stiegen zu erklimmen. Es ist zwar nur ein Weg von 1,2km, aber dieser erstreckt sich über rund 340 Höhenmeter steil bergauf. Ziemlich anstrengend, wenn man mittelsportlich ist, wie wir, und vorher schon 25km Rad gefahren ist. Aber oben wird man mit einen tollen Blick über das Wesertal belohnt. Ein bißchen vorsichtig muss man schon sein, wenn man sich auf den Felsvorsprung direkt über den Klippen wagt (es war seeehr windig!), aber wir saßen dort eine ganze Weile und genossen den Ausblick. Rechts vom Felsvorsprung ist eine Felsspalte, in die wir dann noch hinunter kletterten. Weiter darf man leider in diese Richtung an den Klippen nicht entlang, hier sind Wald und Tiere durch einen Zaun vor ungebetenen Gästen geschützt.


Schön, wenn man dann den Rückweg antritt, denn nun geht es nur noch bergab! Jens fuhr die letzten Steinstufen mit seinem Mountainbike, ich entschied mich für den gemütlichen Waldweg. Und unten bekamen unsere beanspruchten Füße erst einmal eine schöne Abkühlung in kalten Blutbach und in dem zugehörigen Wassertretbecken. Aus dem Wasserspeier tranken wir soviel Wasser, dass die vorbeikommenden Spaziergänger den Eindruck gehabt haben mussten, wir wären einmal durch die Wüste gelaufen. 


Auf dem Nachhauseweg haben wir abschließend mit einem liebevoll aufgebrühten Kaffee bei DieBarista, dem neuen, kleinen (und ganz tollen!) Coffeeshop in der Langen Straße in Hessisch Oldendorf entspannt. Als wir draußen auf der Bank und an dem Tischchen aus alten Paletten saßen, fühlten wir uns fast wie im Urlaub. Es war ein bißchen wie damals in Sydney, als wir unseren Kaffee immer auf alten Kaffeekisten an der Straße vor Bertoni Coffee zu uns nahmen...

Donnerstag, April 14, 2016

Transatlantik 2016: Mit Kanonen auf Spatzen


Nach dem kleinen Nervenkitzel am gestrigen Tage, beschlossen wir, es heute ruhiger angehen zu lassen und strichen den Ausflug auf den Vulkan, den ich gern gemacht hätte, von unserer Liste. Stattdessen fuhren wir ganz entspannt mit dem Bus in die Innenstadt von Arrecife.

Arrecife ist ein sehr nettes Städtchen mit kleinen, weißen Häusern mit blauen Fensterläden und Brüstungen. Um das Hafenbecken waren kleine Marktstände aufgebaut, an denen man allerlei Krimskrams kaufen konnte und die Innenstadt war mit ihren Geschäften auch sehr nett, so dass wir doch noch ein wenig shoppten. 


Direkt vor dem Städtchen im Meer ist das Castillo de San Carmen zu finden, das im 16. Jahrhundert zum Schutz gegen Piraten errichtet worden war. Eine sehr schöne kleine Festung, an der wir etwas auf den Felsen herumkletterten und die Kinder die Kanonen bewunderten. Mia war begeistert und wenn sie heute von der Reise erzählt, ist das Castillo immer ein Hauptteil ihrer Erzählungen, allein wegen der Piratengeschichten.
An der Promenade beim Castillo ließen wir uns nieder und bestellten Sangria, bei dem wir den schönen Blick auf die Festung genossen und Mia und Amy auf dem benachbarten Spielplatz spielen ließen. Es war noch einmal richtig schön warm und sonnig und das Meer vor Arrecife glänzte türkis zwischen den dunklen Lavasteinen. 

Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Pooldeck, hauptsächlich im Whirlpool und genossen einen letzten Tag die Sonne und die Wärme. Am nächsten Tag würden wir auf Teneriffa anlegen und dann ging es leider schon nach Hause. Ein bisschen freuten wir uns nach 17 Tagen auf Reisen auch darauf, aber ein anderer Teil in uns wäre gern noch auf dem Schiff geblieben. Hätte es doch die Möglichkeit gegeben, mit etwas mehr Jahresurlaub (und etwas mehr Geld) noch weitere 14 Tage an Board zu bleiben und dann direkt in Warnemünde auszusteigen.

Als wir uns für das Abendessen fertig machten, rief Jens Mia und mich aus der Kabine auf den Balkon. Mia machte sich gerade zum Duschen bereit und rief zurück: „Okay, ich komme kurz nackig raus!“, sah durch die Balkontür und machte sofort auf dem Absatz kehrt mit den Worten: „Okay, ich ziehe mir doch schnell was an!“. Die AIDAsol lag heute vor unserer AIDAdiva im Hafenbecken, hatte eine Stunde vor uns abgelegt und fuhr nun (sehr dicht) an unserem Balkon vorbei, während ihre Passagiere auf den Balkonen und Außendecks standen und uns zuwinkten und johlten. Es war nur das Passieren eines anderen Schiffes, aber es bereitete einem doch Gänsehaut!

Beim Abendessen ließen wir unsere Reise Revue passieren und sagten immer wieder: „Ich will noch nicht nach Hause!“. Wir saßen auf dem Balkon eines der Restaurants und die Sonne ging langsam über Lanzarote unter, bis die Insel am Horizont verschwand und wir in der Dunkelheit auf unseren Balkon umzogen und zu Dritt noch einmal dem Klang der, an das Schiff peitschenden, Wellen, lauschten, während Mads in der Kabine friedlich schlief. Nicht wissend, was er in seinem zarten Alter bereits für ein Abenteuer erlebt hatte…

Ps.: Besten Dank an Frau Ina Greenhill vom Reisebüro Greenhill, die uns bei der Planung aller Bestandteile dieser Reise so toll unterstützt hat, indem sie es für uns mit starken Nerven in sämtlichen Warteschleifen aushielt, immer eine noch günstigere Idee für die einzelnen Bausteine hatte (Ich sage nur Transfers!) und so nett mitgefiebert hat, dass am Ende alles so klappt, wie geplant!

Mittwoch, April 13, 2016

Transatlantik 2016: Verloren auf Gran Canaria


Auf Gran Canaria wollten wir unbedingt zu den Dünen von Maspalomas. Aber schnell kam die Ernüchterung. Avis am Hafen hatte leider keine Autos mehr zum Verleih anzubieten und die Taxifahrer wollten für Inselrundfahrten unverschämt viel Geld (für uns alle – nach Verhandlung – 180€ für 4 Stunden). Man merkte, dass wir nicht mehr in der entspannten (und günstigen) Karibik waren. Jens hatte dann nach einigem hin und her die zündende Idee: „Frag doch mal die Polizisten dort drüben, ob die eine Idee haben!“. Denn was hat man schon im Kindergarten gelernt? Wenn du nicht weiter weißt, frag einen Polizisten. 


Glücklicherweise sprach eine Polizistin aus der Gruppe Englisch (ich hatte schon Angst mit meinem krepeligen Spanisch weiterkommen zu müssen!). Sie zeigte auf den Taxistand und sagte zu mir: „Taxi no good, too expensive!“. Ja, da hatte sie wohl Recht! Sie erklärte uns, dass wir über einem unterirdischen Busbahnhof wären und theoretisch einen Bus nach Maspalomas nehmen könnten. Oder ob wir auch einen Mietwagen in Betracht ziehen würden. Ich erklärte ihr, dass es am Hafen leider keine Mietwagen mehr gab und das auch unsere erste Wahl gewesen wäre. Daraufhin zückte sie ihr Handy und rief ihren Freund Raoul an, der in einer kleinen Autovermietung arbeitete. Sie hielt mir das Telefon hin und ich handelte mit Raoul ein Fahrzeug in Bulligröße für 8 Personen für 60€ den Tag aus. Die freundliche Polizistin erklärte uns noch den Weg zur Autovermietung, die etwas versteckt in einer der vielen Sträßchen von Las Palmas zu finden war. Dann sagte sie mir noch, dass sie Polizistin wäre und wir nicht denken sollten, dass sie von Raoul irgendeine Art Provision bekommen würde. Sie liebe einfach nur ihre Insel und wolle nicht, dass Touristen nicht wieder kommen, weil sie am Hafen von Taxifahrern ausgenommen werden würden. Ich nahm ihr jedes Wort ab! 

Die Autovermietung von Raoul hätten wir ohne polizeiliche Hilfe natürlich nie gefunden und selbst wenn, weiß ich nicht, ob wir es riskiert hätten, in dieser kleinen Butze ein Auto zu mieten. Auto Sansu hat nur ein sehr kleines Büro in der Straße Luis Morote 48. Raoul war umwerfend nett! So nett, dass es mich glatt ein wenig misstrauisch machte und ich ihn erst einmal mit Fragen wie „Is the insurance included?“ oder „How much are the baby seats?“ löcherte
Aber es war ALLES inklusive, sogar die Kindersitze für Mads und Amy und eine Sitzschale für Mia. Das Fahrzeug holte er uns bis vor das Büro. Es war an allen Ecken mit Kratzern und Dellen übersäht, aber wir dachten uns, dass das ja sicherlich von Vorteil wäre, sollte durch uns irgendeine Macke dazu kommen. Aber…es hatte kein Navi. Benny fuhr, ich saß mit einer groben Touristenkarte von Gran Canaria auf dem Beifahrersitz und der Rest saß in den zwei Reihen hinter uns. Aus den kleinen Straßen der Innenstadt von Las Palmas mit ihren 1000 Einbahnstraßen herauszukommen, gestaltete sich etwas schwierig, aber mittels grandioser Navigation („Das Meer muss immer links sein!“) schafften wir es schließlich auf eine Autovia und kamen auch tatsächlich in Maspalomas an. 


Die meisten Ecken Gran Canarias reizten mich nicht besonders. Playa del Ingles z.B. war eigentlich nur eine Ansammlung von Hotelbunkern, allerdings mit einer ganz schönen Promenade. In Maspalomas spazierten wir am Leuchtturm vorbei, sahen zu wie Künstler virtuose Sandburgen bauten und aßen schließlich in einem kleinen Restaurant am Ende der Promenade, an der bereits ein kleiner Bretterweg Richtung Dünen führt. Ich aß Paella und sie war wirklich grandios!

Wir ließen uns am Strand nieder und hielten unsere Füße ins Wasser. So heiß wie der Sand war, meinte man fast, dabei ein Zischen hören zu können. Das Wasser war allerdings seeeehr kalt und leider nicht so schön klar wie auf den vorherigen Inseln. Mia und ich wanderten eine ganze Ecke am Strand entlang und erklommen eine Düne, auf der wir uns erst einmal nieder ließen. Ich ließ die weitläufige Dünenlandschaft auf mich wirken und musste unweigerlich an Jens und meinen ersten Urlaub auf Fuerteventura denken. „Mama, warum sind hier eigentlich so viele nackte Menschen?!“ sagte Mia schließlich etwas angewidert in die Stille hinein. Ich erklärte ihr, dass das hier so ist und man es FKK nennt. Mia sah mich an und bat mich inständig, dass ich mich doch aber bitte nicht ausziehen sollte, weil sie das „voll peinlich“ fände. Das war nun ein Versprechen, dass ich ihr gerne geben wollte, sagte ich schmunzelnd. 


Die Rückfahrt…jaaaa…die Rückfahrt gestaltete sich etwas schwieriger. Bis nach Las Palmas war es prinzipiell kein Problem, bis dahin hatten wir uns nur einmal kurz verfahren und konnten das Ganze an einer Abfahrt der Autovia wieder gerade biegen. Auch hatten wir – eigentlich – einen guten Zeitpuffer eingebaut. Als wir dann nach Las Palmas kamen, hatten wir allerdings weder eine Karte, noch einen konkreten Plan, wie wir Raoul und seine kleine Verleihbutze wieder finden würden. Unsere Navigation beinhaltete lediglich: „Wenn wir das Schiff rechts sehen, müssen wir irgendwo links rein“. Wir fuhren nach Las Palmas hinein und orientierten uns zunächst einmal an allen Schildern, die uns zum „Puerto de la Luz“ führten. Irgendwann, wir hatten noch eine Stunde zum boarden, kam auf der rechten Seite tatsächlich die Aida in Sicht und noch bevor ich: „Jetzt müssen wir links rein!“ sagen konnte, tauchte die mehrspurige Straße in eine Unterführung ein. Als wir wieder hoch kamen, lag das Schiff bereits hinter uns und wir versuchten verzweifelt irgendwie links in die kleinen Sträßchen zu gelangen. Hier und da noch Einbahnstraßen und sogar zwischen den kleinen Sträßchen noch Unterführungen. Langsam stand mir der Schweiß etwas auf der Stirn und man merkte auch den anderen im Auto an, dass die Stimmung angespannter wurde. 

Noch 45 Minuten bis zum finalen Boarden. Ich fragte einen Taxifahrer nach dem Weg und trotzdem gelangten wir über eine Einbahnstraße wieder genau dahin, wo wir nicht hin wollten. Und dann plötzlich hatte ich eine Eingebung, lotste Benny nach links, nach links und nach zwei Straßen nach rechts und mit Blick auf den Stadtstrand von Las Palmas tauchte Sansu Autos wie aus dem Nichts auf der rechten Seite auf. Ein Aufatmen ging durch den Wagen! Raoul war immer noch unheimlich nett, nahm uns den Wagen ab, kontrollierte noch nicht einmal, ob wir getankt hatten (hatten wir natürlich!), und bat uns sogar an, uns zum Hafen zurück zu fahren. Wir bedankten uns herzlich bei ihm, beschlossen aber in Ruhe zu Fuß zurück zu gehen. Ein paar Minuten hatten wir ja noch, bevor wir an Board sein mussten und etwas frische Luft würde jetzt gut tun.

Dienstag, April 12, 2016

Transatlantik 2016: Die Altantiküberfahrt oder "Wir lagen vor Madagaskar"


„Das nächste Land hier ist der Meeresboden in 8km Entfernung“, berichtet der 3. Wachoffizier von der Brücke zwischenzeitlich und einem wird klar: „Jetzt sind wir mitten auf dem Atlantik!“. Sechs Tage dauert unsere Überfahrt von Barbados nach Gran Canaria, aber gegen alle Unkenrufe kommt Gott sei Dank keine Langeweile auf und das Wetter spielt auch mit. Dafür haben wir zwischenzeitlich so starken Seegang, dass man aus einem Fenster im „Marktrestaurant“ mal nur komplett Meer und mal nur komplett Himmel sieht. Dennoch wird keiner von uns Seekrank oder bekommt anderweitige Probleme. 


Die Abende verbringen wir meist auf unserem Balkon und schauen bei einem Glas Wein auf die schaumigen Wellen. Einmal streuen wir für unsere kleine Ida Blüten ins Meer und sehen zu, wie sie in der endlosen Dunkelheit verschwinden. Oft sitzen wir auch mit den anderen noch auf einen Wein auf der Terrasse eines der Restaurants oder trinken Cocktails auf einer Poolparty. Und natürlich wurden auch die Champions League Spiele an Deck übertragen, so dass Jens und Robert (und anscheinend sämtliche Männer des Schiffes) sich zum Public Viewing in der Bar versammeln konnten. Als Mia und ich die Bar einen dieser Abende betraten, scherzte ich mit einer Frau, die gleichzeitig ankam, dass man, sollte man einen Mann bräuchte, doch hier definitiv fündig werden müsste. 


Tagsüber sind wir meist am Pool auf dem obersten Deck (und schwappen bei starkem Wellengang im Wasser hin und her, wie in einem Wellenbad, juchuu!) oder am Kinderpool am Heck des Schiffes. Mads krabbelt umher, spielt mit dem dort vorhandenen Spielzeug oder springt mit seinen Schwimmflügelchen in den 30cm tiefen Pool. Mia geht auch ab und zu mal in den schiffeigenen Kids Club, bastelt dort oder probt für eine geheime Aufführung. Einen Abend auf See werden wir dann aufgeklärt, dass die Kinder auf der großen Bühne etwas vorführen werden. Mia ist stolz ohne Ende, als der „Dschungeltanz“ vorbei ist und sie sich am nächsten Morgen auch noch im Board-TV sieht. 
Und dann, eines Tages nach seinem Mittagsschläfchen auf der Kabine, steht Mads an eine Kabinenwand gelehnt, dreht sich um und läuft mir direkt in die Arme. Jens und ich jubeln und sind überglücklich! Er läuft!!! Und wer kann schon von sich behaupten mitten auf dem Atlantik das laufen gelernt zu haben!!!

Hin und wieder hat unser Schiff auch Begleiter auf seiner Überfahrt, so gesellt sich einen Tag ein Wal zu uns und wir können von der Reling aus beobachten, wie er Wasserfontainen in die Luft schießt. Einen anderen Tag verfolgt uns eine ganze Delphinschule über mehrere Stunden und fliegende Fische springen auch hin und wieder mal neben dem Schiff her. 

Jede Nacht wird die Zeit um eine Stunde vor gestellt, so sind Jens und ich irgendwann abends auf dem Balkon nicht mehr allein (Mia liegt dann bei uns in der Hängematte und erzählt uns ausgiebig von ihren Erlebnissen des Tages) und wir verpassen morgens nun öfter das Frühstück und gehen dafür Brunchen oder gleich zum Mittag. Auch nicht schlimm, da man mit so einer Vollverpflegung ja prinzipiell sowieso nur am Essen ist. Dafür bleibt es nun abends auch immer ein bisschen länger hell und so sehen wir beim Abendessen auf der Terrasse des „Weite Welt Restaurants“ die schönsten Sonnenuntergänge.

Am 6. Seetag fängt der 3. Wachoffizier von der Brücke bei seiner täglichen 13h Durchsage an „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Board“ zu singen. Wir schauen uns an, lachen und fragen uns, ob es doch langsam mal wieder Zeit wird irgendwo anzulegen.